zurück zur Las Vegas Hauptseite
Der nachfolgende Text unterliegt dem Copyright von magazinUSA.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von MAGAZINUSA.
High Tech in Casinos
Es ist ein Spiel, das sehr ernst genommen wird. Die Casinos in den USA nehmen jährlich ca. $30 Milliarden ein und sind insofern ein attraktives Ziel für Falschspieler, die ihre grosse Chance sehen. Die Hardcore-Gemeinde professioneller Schwindler ist jedoch nur ein winziger Bruchteil von den insgesamt 150 Millionen Personen, die einmal pro ein Jahr US-Casino besuchen: es gibt annähernd 5.000 dieser Spieler auf der Welt, aber sie können die Casinos dennoch um viel Geld bringen.
Von daher ist es kein Wunder, daß Casinos fortlaufend ihre Sicherheits-Maßnahmen verbessern, um zu gewährleisten, daß das Haus seine Dominanz behält. Casino-Schwindler sind nicht die üblichen "doofen Gauner - man ist sich in der Branche einig, dass man noch mehr Technik einsetzen muss, wenn man Ihnen begegnen will.
Spezien
Und um Betrügern der alten Garde, die mit gezinkten Karten spielen oder wertlose Münzen bzw. ein Stück Angelschnur in die Slot-Machines stecken, um Freispiele zu bekommen, zu begegnen, werden in Nevada, das im Jahr 1931 die Casinos legalisierte, immerfort Anstrengungen unternommen, Wege zu finden, die Glücksspiele in eine 'sichere' Sache zu verwandeln.
Den sogenannten "dice scooters", die einen Würfel so werfen, dass er auf einer bestimmten Zahl landet, den "past posters", die versuchen, den Croupier abzulenken, um ihre Wette abzugeben, nachdem der Ball schon gehalten hat und nicht zu vergessen den "glimpse stealers", die gemeinsam mit Verbündeten Signale austauschen, um die Karteninformationen des Gegenspieler zu erhalten, soll das Handwerk gelegt werden.
Technik
Der Entwicklungen in der Elektronik haben in den vergangenen Jahrzehnten immer neue Wege zum Betrügen bereitgestellt - zum Leidwesen der Casinobetreiber und zur Freude der Falschspieler.
Computer Freaks haben kleine Geräte entwickelt, die im Stiefel verborgen sind und mit den Zehen des Spielers bedient werden können. Das ermöglicht beim Black Jack die ausgegebenen Karten zu ermitteln und somit eigene Chancen zu berechnen. Schon Anfang der 80er Jahre wurde in einem Casino in New Jersey ein 19-jähriger Student des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) dingfest gemacht, der sich einen dieser Mini-Computer zur Erfassung der Black Jack Karten innerhalb eines Uni Projekts konstruiert hatte. Die Casino eigenen Infrarot Cameras deckten das Gerät seinerzeit auf.
Um Slot Maschinen zu überlisten, haben Betrüger die Monkeys
Paw (Affenpfote) entwickelt. Auf der Spitze eines 8-Zoll langen
Stückes Draht ist eine winzige 'Taschenlampe' angebracht. Wenn sich
die Rutsche einer Slot-Maschine zur Geldausschüttung öffnet,
verwirrt die Affenpfote den Sensor der Maschine und verhindert dadurch,
dass die Münzen gezählt wurden. Dadurch konnte der Gewinn um
den Faktor 10 erhöht werden.
Ein anderer Spezialist versuchte beim Poker mit Hilfe eine winzigen Kamera,
die er in seinen Ärmel versteckt hielt, einen unaufdringlichen und
flüchtigen Blick in die Karten, die ausgeteilt wurden, zu werfen.
Das Bild wurde zu einem Fahrzeug außerhalb des Casinos übertragen,
wo ein Verbündeter das Bild empfing und dann per Funkgerät den
Spieler, der einen winzigen Empfänger im Ohr versteckt hielt, darüber
zu informieren.
Eine südafrikanische Gang hat den Produzent einer lokalen Karten-Fabrik betäubt, um in aller Ruhe geringe Defekte in den Rücken der Karten zu machen. So waren die hohen von den niedrigen Karten zu unterscheiden. Die Gang hatte sich mit diesem Trick 330.000 Dollar beschafft.
Gegenmassnahmen
Sicherheits-Beauftragte in Casinos sind in zunehmendem Masse gezwungen, ihre Technologie-Kenntnisse stetig zu verbessern. Das Trump Marina Hotel & Casino in Las Vegas verfügt über fast 1.000 Videoüberwachungs-Kameras. Viele werden hinter Glasoberflächen verborgen - für die Besucher sehen Sie aus, als würden sie ein Teil der funkelnden Ausstattung sein. Die Kameras werden in regelmäßigen Intervallen verlagert, das macht es Schwindlern schwer, sie zu finden und irgendwie lahmzulegen.
Die Bilder der zahllosen Kameras werden zu einer zentralen Überwachungsstelle
im Casino übertragen.
Das Raum enthält 30 Monitore und Hunderte von Videorecordern. Computer
verfolgen das Geschehen an Spieltischen und Slot-Machines und melden sofort
jeden außergewöhnlichen Gewinn.
Trump Marina gehört zu der wachsenden Anzahl von Casinos, die noch
ein weiteres Überwachung-Werkzeug nutzen: Gesichts-Identifikations-Software
Wenn die Überwachung-Kameras eine verdächtige Person aufspüren,
kann das Identifikationsprogramm dessen Gesicht einfangen, zerlegt es
in mathematische Daten und vergleicht dann mit Bildern von Falschspielern,
die von Kameras in anderen Kasinos eingefangen wurden. Wenn sich nach
erster Auswertung der Verdacht erhärtet, wird die angeschlossene
Datenbank auf Namen, Alias- bzw. Decknamen, Alter, Größe, Gewicht
und Verbündete abgefragt.
Früher ist es nicht selten vorgekommen, dass ein Betrüger auf dem Monitor zwar erkannt wurde, doch bis alle notwendigen Daten zusammengetragen waren, war es meistens schon zu spät und der Betreffende war längst aus der Tür - während das Casino mit teilweise Zig-Tausenden Dollar von Verlust das Nachsehen hatte.
Mit den modernen Methoden haben sich die Chancen zugunsten der Casino-Betrieber deutlich erhöht, solcherlei Zeitgenossen dingfest machen zu können.
Networking
Im weiteren verfügen immer mehr Casinos über einen Zugang zum Casino-Information-Network, ein System, das es ihnen erlaubt, Daten und Fotos mit 50-60 anderen Casinos der Vereinigten Staaten auszutauschen. Das Netzwerk ermöglicht den Casinos, die reisenden Betrüger, die von Staat zu Staat und von Casino zu Casino ziehen, zu verfolgen und ihren aktuellen Standort zu kennen.
Das Casino der Zukunft wird sich wahrscheinlich, mit immer komplizierterer Überwachungs-Technologie zur Wehr setzen müssen. Eine Software Firma in den USA hat nun ein Programm entwickelt, das nicht nur Gesichter erkennt, sondern die Informationen mit Fingerabdrücken, dem Klang der Stimme und Aufnahmen der Augen mischen und vergleichen kann.
Denkbar ist, dass das kluge Casino diese Technologien auch
benutzen wird, um die High-Roller (Spieler, die extrem hoch spielen) zu
identifizieren. Betritt der Gast dann das Hotel/Casino und durchläuft
dabei die Gesichts-Identifikation, ist er an der Rezeption am anderen
Ende des Casinos bereits wiedererkannt. Man wird ihn dort als den Spieler
X erkennen, der vielleicht beim letzten Besuch 5 Millionen verloren hat
und ihm entsprechende VIP Behandlung zukommen lassen.
So könnten Casinos auch sicherstellen, dass sich nicht der 'Falsche'
für den 'Richtigen' ausgibt...